Musikverein-Echzell 1893 e.V.

Träger der Pro-Musika Plakette

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Geschichte

 

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Der Musikverein Echzell wurde am 1. Dezember 1893 gegründet. Durch eine sehr großzügige Spende des in Lindheim bei Altenstadt lebenden Schriftstellers Leopold von Sacher-Masoch konnten Instrumente und das entsprechende Notenmaterial angeschafft werden. Bereits nach kurzer Zeit wurde bei öffentlichen Auftritten das eingeübte Repertoire vorgestellt. Konzerte fanden in Echzell, Altenstadt und überwiegend in Nidda statt.

Zum 1. Vorsitzenden in der Gründungsversammlung am 1.Dezember 1893 wurde Friedrich Schmidt gewählt. Er wurde später Molkereidirektor und im Jahr 1911 Bürgermeister.

Nach einigen Jahren wurde der Spielbetrieb eingestellt. Erst um 1908 fanden sich einige der älteren Mitglieder und neue musikalisch Interessierte wieder zusammen. Der erste Weltkrieg führte zur Einstellung aller Aktivitäten im Vereinsgeschehen. In den „Goldenen Zwanziger Jahren“ konnten die alten Traditionen wiederbelebt werden. Bei zahlreichen Veranstaltungen in Echzell und Umgebung spielten die Echzeller Musiker zur Unterhaltung und zum Tanz auf. Zum 40-jährigen Bestehen wurde  im Sommer 1933 zusammen mit der Echzeller Feuerwehr ein großes Doppel-Fest gefeiert.

                                                                                                                                                                                                                                                                                               Friedrich Schmidt

Im Frühjahr 1933 wurde der noch vielen Echzeller Bürgern bekannte Justin Hergenröther zum Dirigenten des Vereins gewählt.Er dirigierte den Verein bis 1976. Mit dem Ausbruch des Krieges 1939 kehrte auch in Echzell eine „musikalische“ Ruhepause ein.

 

Konzertprogramm 1895

 

                                                                                                                                                                                                                                                                                   Älteste Aufnahme 1933 vom Festzug zum Musikfest in Echzell

Erst 1950 fanden sich die verbliebenen Mitglieder und einige zugezogene Neubürger zum gemeinsamen Spielen zusammen. Durch die musikalische Konkurrenz zum „Größten Spielmannszug Deutschlands“ wäre der Musikverein Echzell fast untergegangen. Nach Auflösung des Echzeller Spielmannszuges fanden einige junge Männer den Weg zum Musikverein.

                         Fastnachtsveranstaltung 1955 in der neuen Echzeller Turnhalle                                                                                          Einweihung der neuen Echzeller Mittelpunktschule August 1957

In den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts kamen zahlreiche Jugendliche zum Verein, besonders dadurch, dass an der Echzeller Volksschule zum Musikunterricht nicht nur die Musikausbildung, sondern auch das Blockflötenspiel obligatorisch wurde. Um ein Instrument zu erlernen, ist nun einmal das Notenlesen eine der wichtigsten Vorraussetzungen.

Der damals aktuelle Musikstil veränderte das Repertoire des Musikvereins Echzell für die Zukunft nachhaltig. Als 1. Vorsitzender fungierte seit 1963 Herbert Fleischhauer. Ein Musikfest wurde 1964 veranstaltet und zum 75-jährigen Bestehen ein weiteres Bezirksmusikfest im Jahr 1968. Die damaligen Nachwuchskräfte gründeten eine Tanzkapelle, welche über viele Jahre bei zahlreichen Veranstaltungen auftrat. In den siebziger Jahren wurde die Tradition der Frühschoppenkonzerte anläßlich der Echzeller Kirmes im Vereinslokal Schindewolf begründet. Erstmals spielten die Echzeller Musikanten 1980 bei einem Konzert im Kurhaus in Bad Salzhausen. Mit dem Bau der Horlofftalhalle stand nun eine große Bühne mit einem (fast) zu großen Saal zur Verfügung. Zur 1200-Jahrfeier im Jahr 1982 wirkten die Aktiven des Musikvereins Echzell bei zahlreichen Veranstaltungen mit. Dies war auch der Fall bei der akademischen Feier. Auf Wunsch des damaligen Bürgermeisters, Karl Heinz Müller, musizierten die Musikvereine Echzell und Gettenau dabei gemeinsam. Viel Einsatz erforderten die zahlreichen Proben zur „Hexe von Bingenheim“, auch dabei mitwirkend ein gutes Dutzend Echzeller Musikanten. Es gab einige aktive Mitglieder, die in den Monaten vor den Festwochen beinahe jeden Abend im Einsatz waren.

Als es in den Jahren vor den Festwochen jährlich ca. 45 Übungsstunden und 30 Auftritte waren, so summierten sich diese Zahlen im Jahr 1982 auf fast 100 Übungsstunden und Auftritte – ohne die Proben und Aufführungen für die „Hexe von Bingenheim“ dazuzurechnen. Zur Belohnung für den Einsatz während der Echzeller Festwochen im Jahr 1982 wurde im Sommer 1983 erstmals ein mehrtägiger Ausflug in das Zillertal unternommen.

1984 übernahm der bisherige Rechner des Musikvereins, Helmut Noll, den Vorsitz des Vereins. Im Jahr 1987 wurde in der Horlofftalhalle erstmals ein Osterkonzert am Ostersonntag veranstaltet. Der musikalische Erfolg und das Interesse weiterer Jugendlicher führten zur Bildung einer neuen Jugendkapelle. Aus den Reihen des Nachwuchses wird der Klangkörper der Aktiven immer wieder verstärkt. Im zweijährigen Turnus wird an den ungeraden Jahren regelmäßig ein mehrtägiger Ausflug mit verschiedenen Zielen im In- und Ausland durchgeführt. In den geraden Kalenderjahren wird seit der 1200-Jahrfeier durch den Musikverein ein Bierzelt zum traditionellen Kirchplatzfest aufgestellt. Dabei entwickelte sich folgender Ablauf: Am Freitagabend wird diese Festlichkeit mit einer Disco-Veranstaltung für die Dorfjugend eröffnet. Der offizielle Bieranstich durch den jeweiligen Echzeller Bürgermeister erfolgt im Zelt des Musikvereins, anschließend wird zur Unterhaltung aufgespielt. An den Sonntagen musizieren verbundene Musikkapellen zum Frühschoppen sowie die Nachwuchsmusikanten des Echzeller Musikvereins. Diese Veranstaltung in dieser Form erfordert den vollen Einsatz aller Mitglieder des Vereins.

Einer der Höhepunkte im bisherigen Vereinsgeschehen war im Jahr 1993 das 100-jährige Vereinsjubiläum. Eröffnet wurden die Feierlichkeiten mit einem Kommersabend in der Horlofftalhalle. Es folgte ein großer Bunter Abend im Festzelt, der leider nicht den erhofften Erfolg brachte. Eine Disco-Veranstaltung traf am nächsten Abend den Zeitgeist der Jugendlichen – der Lohn dafür war ein volles Festzelt. Am Festsonntag führte ein großer Festzug durch das Dorf. Am Freundschaftsspiel wirkten 26 Blaskapellen mit. In dieser Form hatten die Echzeller Bürger bis dahin noch kein Fest wahrgenommen.

Mittlerweile nimmt der Musikverein Echzell jährlich an den folgenden Veranstaltungen teil: Fastnachtsumzüge in Frankfurt (bis 2008), Stammheim und Nidda, ein Osterkonzert in der Horlofftalhalle, Weckruf zum 1. Mai, Fronleichnamsprozession in Echzell, Kurkonzert in Bad Salzhausen, Scheunenfest, Turmblasen und Weihnachtsgottesdienst in der evangelischen Kirche in Echzell, sowie das mitlerweile schon traditionelle Adventskonzert in der evangelischen Kirche in Echzell. Hinzu kommen jährlich zahlreiche Auftritte bei Veranstaltungen der Echzeller Ortsvereine und bei Festlichkeiten in der näheren und weiteren Umgebung unserer Heimatgemeinde. Hierbei ist der Musikverein Echzell beim alljährlichen Vereinsschießen immer vertreten. Jedem Echzeller Bürger wird auf persönlichen Wunsch zum neunzigsten Geburtstag ein Ständchen gespielt. Auch zur „Goldenen“ und „Diamantenen Hochzeit“ werden diese Ständchen gerne wahrgenommen.

Zum Osterkonzert werden jedes Jahr mehrere Übungswochenenden eingelegt und zusätzliche Übungsstunden abgehalten, damit sich der erhoffte musikalische Erfolg einstellt. Zum Repertoire des Echzeller Musikvereins gehören zahlreiche Stücke der traditionellen Volksmusik, klassische Konzertstücke, Choräle und Lieder, aber auch moderne Schlager, Musical-Potpourris und unverwüstliche Stimmungslieder.

Zum Osterkonzert 2004 wurde die Verleihung der „Pro-Musica-Plakette“ nachgeholt. Aus dem Kreis der zu ehrenden Blaskapellen in Deutschland wurde dazu der Musikverein Echzell 1893 e.V. bei der offiziellen Feierlichkeit in Fulda stellvertretend ausgewählt. Diese Plakette bekommen Musikvereine verliehen, die über 100 Jahre bestehen. Ursprünglich sollte die Verleihung bereits zum Fest des 100jährigen Bestehens im Jahr 1993 erfolgen, dies wurde zum 111-jährigen Vereinsbestehen gebührend nachgeholt.

Ein Vereinsbeitrag wird seit der Neugründung im Jahr 1950 nicht mehr von den Aktiven erhoben. Die Kosten für die Unterhaltung des Vereins (Noten, Einheitskleidung usw.) werden durch die Teilnahme an Auftritten finanziert. Dies dürfte eine Einmaligkeit bei den Echzeller Ortsvereinen sein.

Für die Zukunft ist der Musikverein gut gerüstet. Dirigent ist Kapellmeister Andreas Heil aus Ober-Mörlen. Als erster Vorsitzender fungiert seit Anfang 2011 wieder Helmut Noll. Derzeit befindet sich der Musikverein in einem Umbruch – einige der älteren Aktiven verlassen aus gesundheitlichen Gründen den Verein – der Nachwuchs drängt nach vorne. Hoffen wir, dass der Musikverein Echzell noch für viele Jahre die Echzeller Bürger mit seinen Auftritten erfreuen und die Traditionen fortführen kann.

Zusammengestellt von Heinrich Mimberg 





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